Auf einem blauen Elefanten

Christoph D. Brumme, Schriftsteller aus Berlin, fuhr 8353 Kilometer mit dem Fahrrad von Berlin nach Saratov an die Wolga. Und zurück. Unterwegs sprach er seine Gedanken und Erlebnisse in ein Diktaphon. Zuhause fasste er sie zu einem Buch zusammen.

Seine Tour führte Christoph D. Brumme durch Polen, die Ukraine und Russland. Länder, vor denen ihn Freunde wiederholt gewarnt hatten. Ich habe mir vor meiner Radtour durch Rumänien ähnliches anhören müssen: „Das ist doch total gefährlich, am Ende landest du noch tot im Straßengraben.“ Ich bin damals tatsächlich im Straßengraben gelandet, allerdings nur für eine Nacht. Christoph D. Brummes Tagesetappen enden meist in idyllischer Natur in seinem Zelt, wo er die Begegnungen des Tages Revue passieren lässt. Schon bald genießt er sein freies Leben: „Ich verstehe die Russen immer besser, die sagen: Wir leben im freieren Land, wir können überall ein Feuer machen und Schaschlik braten. Die Natur gehört uns.“ Trotzdem muss sich der deutsche Autor immer wieder wehren: Gegen Einladungen, die nach Geschmack der Gastgeber mit einem mehrtägigen Aufenthalt verbunden werden sollten. Oder gegen Lunchpakete, die seine Packtaschen nicht fassen konnten. Und natürlich gegen das alltägliche Angebot an Wodka.
Aber so richtig mitgerissen hat mich Christoph Brummes Reiseroman dann ab dieser Passage: „Die Bushaltestellen in der Ukraine sind etwas Besonderes. Sie werden zwar meist aus standardisierten Betonplatten zusammengesetzt, ihre Oberflächen aber mit farbigen Steinen, mit großflächigen Mosaiken, beklebt.“ Ich bin ein großer Freund von Bushaltestellen oder wie man in Hessen sagt, Buswartestellen. Und eigentlich dachte ich, der Einzige! Auf vielen Radtouren haben sie mir Unterkunft gewährt, mich vor den Unbillen des Wetters bewahrt und waren mir so manches Mal wie ein zweites Zuhause. Irgendwann habe ich dann angefangen sie zu sammeln. Wie dieses feine Exemplar aus Knezmost, Tschechien:

Es zeichnet sich zwar nicht durch ein großflächiges Mosaik aus, aber seine zartblaue Farbgebung und die feinen Rundungen haben mich schon von weitem überzeugt. Doch auch in Tschechien arbeitete man mit Mosaiken. Wie hier in Domoslavice:

Die ukrainische Entsprechung scheint aber doch noch etwas eindrucksvoller in der Landschaft herum zu stehen. Zum Beispiel „Die Bushaltestelle bei Archangelskoje: In keinem guten Zustand, aber architektonisch erstaunlich, mit einem Raum für den Fahrkartenverkäufer. Über der Klappe und dem Fenster schweben drei Mosaik-Schwäne, darunter rasen drei schnittige Mosaik-Autos. Die Fahrer, geduckt und der Kurve angepasst, scheinen sich ein Wettrennen zu liefern. Sehr subversiv, dieses Motiv, für die sovjetische Zeit, ein Ruch dekadenter Bürgerlichkeit ist nicht zu verkennen.“
Und weiter begeistert sich der Berliner Autor: „7.46 Uhr schon ein Morgengruß, ein blauer Palast mit Pfau, Fisch und Schafsbock. 8.01 Uhr, in Tschotorisk, zeigt die gesamte Mosaikfläche galoppierende Wildschweine, der Eber voran, die Bache beschützt die Frischlinge. 8.23 Uhr, in Novosilki (keine Häuser, nur Kiefernwald), warten steinerne Damen anmutig auf Fahrgäste, die nicht kommen werden. 8.47 Uhr, in Kamjanucha, expressionistische Vielfalt, geometrische Formen, hier dreht sich die Fläche in sich selbst. 9.34 Uhr, in Serevynivka, wieder vor Kiefern und Birken, ein Mosaik mit Eule, Uhu und zwei Schwänen, in blassem Blau.“ Ich glaube ich muss dringend in die Ukraine bevor JCDecaux diese Schmuckstücke durch Einheitskisten ersetzt! Wobei ich es auch manchmal etwas schlichter mag:

Ein unterhaltsames Buch, das mir zwei Dinge wieder einmal vor Augen führte:
1. Meine nächste Fernradtour führt durch Russland und/oder die Ukraine.
und
2. „Das Radfahren ist die erste Tätigkeit in meinem Leben, die ich ohne Zweifel als sinnvoll empfinde.“

Christoph Brummes Blog (Mosaike ohne Ende)
Seine Website

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Critical Dirt – Crossrennen der anderen Art

CRITICAL FILM from e r t z u i ° film on Vimeo.

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Die goldene Kurbel 2011

… geht an: Cycle of Love! Übrigens bereits vor dem Juryentscheid auf dem International Cycling Film Festival die erste Wahl der radwanderer-Crew. Genießt es!

Cycle of Love from Cat Marshall on Vimeo.

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Eurobike 2011: Die Bunten

Auffällig viele bunte Bikes versuchten die Synapsen der Besucher der Eurobike 2011 zu erregen. Ich persönlich bin in dieser Hinsicht ein wenig gespaltener Natur. Total hässlich empfand ich dieses edle Stück der ansonsten von mir hoch geadelten Rennradfiligranisten von Wilier.

Nicht viel besser trafen es die Macher von Look mit diesem Zeitfahrboliden. Sollte da etwa der gute alte Piet Mondriaan zitiert werden?

Das Ghost fand ich dann schon etwas netter verziert, aber will denn wirklich jemand mit diesem Papageiendesign den Berg ab fahren bzw. bergab fahren oder gar den Berg abfahren? Kann es mir kaum vorstellen!

Eigentlich ein recht schönes rosa Rad zum Bergab fahren präsentierten Orange. Trotzdem finde ich, dass ein Hersteller, der sich Orange nennt, seine Räder nicht rosa lackieren sollte. Irgendwie beißt sich da etwas, zumindest in mir.

Weitere Beispiele geschmackloser und völlig enthemmter Farbgebung präsentierte Radon.

Wesentlich geschmacksicherer aber ebenso bunt trafen es Gary Fisher und Sir Paul Smith mit diesem 29er. Es entstand 2002 durch eine Kooperation der Bikelegende mit dem bekannten britischen Modedesigner. Hier trafen sich zwei Legenden ihres Fachs: Paul Smith ist passionierter Radfahrer und Gary Fisher für seinen exentrischen Kleidungsstil bekannt. Die Farbgestaltung des Bikes basierte auf Smiths Frühjahrs-/Sommer Kollektion 1997.


Wahlweise gabs das Design dann auch als Damenschuh …

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Eurobike 2011: Die Überflüssigen

Darauf hat die Welt nun wirklich nicht gewartet: Das Playboy Bike!

Und wie sich ein durchaus renommierter Motorradhersteller zur Lachnummer macht: Das Ducati Kinderrad!

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