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Der Ritt über den Eifelsteig

Donnerstag 24. Juni 2010: Drei bunt gekleidete Cowboys treffen sich pünktlich um 14.50 Uhr, um mit ihren Gäulen den Eifelsteig zu reiten. Ein langes Wochenende voller Qualen für Beine und Hintern steht ihnen bevor. Ein letzter Espresso bei W. soll der Truppe den initialen Kick geben.

Zunächst reiten sie durch den Aachener Stadtwald gen Südosten. Die Sprüche sitzen noch locker, der Gaul ist noch frisch. In Kornelimünster erreichen sie den Eifelsteig. Die Sonne scheint gnadenlos auf ihre behüteten Köpfe und das Ozon drückt in ihre strapazierten Lungen. An der Dreilägerbachtalsperre gleiten sie über erste Wurzeltrails hinweg. Noch herrscht Euphorie, die Sprüche fallen bereits spärlicher. Es geht bergauf, meist nicht steil, aber stetig. Mitten im Venn, am Reinartzhof, treten erste Zweifel zutage. Warum jetzt schon wieder eine Pause, schaffen sie es überhaupt bis zur Unterkunft in Gemünd? Kurzerhand schicken die Drei eine Depesche: Schaffen es nicht! An einem Abhang von Mützenich hinunter nach Monschau teilt sich der Weg. Die drei verweilen zur Orientierung und A. entdeckt zur linken Hand eine Herberge.
Es ist der Nassenhof. Nach kurzer Verhandlung ist die Unterkunft klar.

Die Drei bekommen einen Schuppen für die Gäule, ein Acht-Bett-Zimmer für die müden Knochen und Kartoffelsalat mit selbst gemachten Frikadellen für den Magen. Der Abend ist angenehm warm und es läuft Slowakei gegen Holland im TV. Doch nicht nur die WM ebnet den Dreien den Weg in die Mützenicher Herzen. Schnell ist man im Gespräch über den Eifelsteig, wo man her kommt, hin fährt und natürlich über Mützenich. Am Wochenende findet die Sommerkirmes statt, Freitags ist Beachparty im Zelt, Samstags wird getrunken und Sonntags wird das Deutschland-Spiel gegen England den Nassenhof füllen. Montags wird dann der neue Schützenkönig präsentiert und ebenfalls getrunken. Dann naht die Feuerwehr. Es ist Lemmy und er ist Mitglied beim Löschzug der freiwilligen Feuerwehr Mützenich. Er erzählt von seinen Abenteuern mit dem Tandemteam Mützenich und zeigt den nun recht heiteren Montenbeikern im Internet hinter der Theke die technischen Details des Gefährts. Es wird von fünf Personen angetrieben und fährt auf Mofareifen. Sie waren damit in Schottland, in der Bretagne und sind Anfang Juni von Mützenich nach Leipzig zum Treffen deutscher Feuerwehrmänner gefahren. Nachdem in wenigen Sätzen Alles über das Tandemfahren im Speziellen und das Fahrradfahren im Allgemeinen ausgetauscht wurde, zieht sich Lemmy wieder zurück. Ein angenehm direktes aber total unaufdringliches Völkschen diese Mützenischer.
Am nächsten Morgen ist Alles ganz anders: Nie wieder würden sie eine solch gute Herberge finden, nie wieder so angenehm Fußball gucken, nie wieder so herzlich aufgenommen werden. Und nie wieder so gut frühstücken können und vor allem nie wieder so nett verabschiedet werden. Drei Cowboys, drei Gäule , aber wie sollten sie nun ihre weiteren Kilometer mit Sinn füllen?

Sie sind trotzdem weiter geritten. Sie haben Blankenheim gesehen und Gerolstein erkundet. Sie sind durch wunderbare Wacholderwaldungen gefahren, haben gefährliche Abhänge gestanden und sind etliche Meter gen Himmel geradelt. Nie wieder würde ein zweites Mützenich möglich sein. Nie wieder?
Noch eine zweite Frage beschäftigte das Dreigestirn: Wo sollten sie Sonntags gegen Ende der Tour die Deutschen gegen England siegen sehen? Die erste Frage beantwortete W. mit einem „Warum eigentlich nie wieder?“, und die Zweite der etwas nachdenklich wirkende A. mit einem „Wie wärs mit Mützenich!“.
Die Rückkehr nach Mützenich war triumphal. Auf jeden Fall für B. . Die Wirtin begrüßte ihn sehr herzlich, fragte nach den Anderen. Mit einem verschwitzten Lächeln auf den Lippen gestand B.: “ Den Einen habe ich unten in Monschau stehen gelassen und der Andere hatte vorher bereits eine Abkürzung genommen, müssten also beide gleich eintreffen.“

A. kam schon bald den Mützenich bergauf gehechelt und W. kurz darauf von seiner Abkürzung zurück. So hatten die Drei noch Zeit, vor dem Spiel mit Blick über Monschau im Schatten des Mützenicher Kirmesbaumes ein erstes gemeinsames Achtelfinalbier zu trinken.

Reisfladen und Gummibärchen

Den Feier- und Vatertag habe ich genutzt, um mich durch die Ardennen rund um Waimes zu pflügen. Da wurde das Leben dann doch recht spontan etwas matschiger. Bei relativ eisigen Temperaturen ging es auf die 75 Kilometer-Runde. Mein erster belgischer Jedermannritt, dementsprechend waren meine Erwartungen. In der Ankündigung zum Rennen wurde bereits von Musik an der Strecke geschrieben, die Umsetzung dessen hat mich dann doch etwas überrascht: Nach wenigen Kilometern und den ersten krassen Aufstiegen erwartete uns Fahrer eine Djembe-Truppe, die an der Strecke positioniert jeden vorbeikommenden Pulk antrommelte und mit Urschreien tiefer ins Gelände trieb. Sehr schön, mich hats gepuscht, danke Trommler.

Kurz vor der ersten Verpflegungsstelle war ich plötzlich ziemlich allein auf der Strecke. Durch den wunderschönen ardenner Wald zog es mich hinab in eine Senke, als mir plötzlich zur Attacke geblasen wurde: Zu fünft blies eine Jagdkapelle in rotem Rock, weißer Hose und schwarzen Stiefeln die Fahrer zur Jagd auf den Vordermann.

Auch die Verpflegungsstelle war nicht ohne. Wird an solchen Orten im Normalfall Energydrink und Sportlernahrung gereicht, hatten die Belgier ein etwas anderes Buffet aufgebaut: Reisfladen, Gummibärchen, mit Fruchtsirup gefärbtes Wasser, Chips und Kuchen sollten uns von nun an durch das Venn bringen. Ich habe noch nie an einem Tag soviel Reisfladen gegessen, konnte auf den letzten Kilometern aber noch ordentlich zulegen. Mehr davon!

Schneechaos

Der Winter hat auch Süd-Limburg fest im weißen Griff. Biken ist seit Weihnachten nur erschwert möglich. Ein paar Kilometer habe ich trotzdem in 2010 bereits geschafft. Dabei bin ich vor allem im flacheren Norden der Gegend gefahren. Ich war unterwegs im Wurmtal und Broichtal mit den www.Brand-Riders.de. Außerdem am letzten Wochenende alleine auf der Voerendaal-Nuth-Route. Sie führt über die Felder südwestlich von Heerlen, was besonders am sonnigen Samstag ganz hervorragend kam. Geplant habe ich für dieses Jahr den Eifelsteig und den Schwarzwaldcross und natürlich viele kleine aber feine Touren in Heuvelland, Ardennen und im Öcher Bösch.