Archiv der Kategorie 'Eurobike'

Eurobike 2011: Die Bunten

Auffällig viele bunte Bikes versuchten die Synapsen der Besucher der Eurobike 2011 zu erregen. Ich persönlich bin in dieser Hinsicht ein wenig gespaltener Natur. Total hässlich empfand ich dieses edle Stück der ansonsten von mir hoch geadelten Rennradfiligranisten von Wilier.

Nicht viel besser trafen es die Macher von Look mit diesem Zeitfahrboliden. Sollte da etwa der gute alte Piet Mondriaan zitiert werden?

Das Ghost fand ich dann schon etwas netter verziert, aber will denn wirklich jemand mit diesem Papageiendesign den Berg ab fahren bzw. bergab fahren oder gar den Berg abfahren? Kann es mir kaum vorstellen!

Eigentlich ein recht schönes rosa Rad zum Bergab fahren präsentierten Orange. Trotzdem finde ich, dass ein Hersteller, der sich Orange nennt, seine Räder nicht rosa lackieren sollte. Irgendwie beißt sich da etwas, zumindest in mir.

Weitere Beispiele geschmackloser und völlig enthemmter Farbgebung präsentierte Radon.

Wesentlich geschmacksicherer aber ebenso bunt trafen es Gary Fisher und Sir Paul Smith mit diesem 29er. Es entstand 2002 durch eine Kooperation der Bikelegende mit dem bekannten britischen Modedesigner. Hier trafen sich zwei Legenden ihres Fachs: Paul Smith ist passionierter Radfahrer und Gary Fisher für seinen exentrischen Kleidungsstil bekannt. Die Farbgestaltung des Bikes basierte auf Smiths Frühjahrs-/Sommer Kollektion 1997.


Wahlweise gabs das Design dann auch als Damenschuh …

Eurobike 2011: Die Überflüssigen

Darauf hat die Welt nun wirklich nicht gewartet: Das Playboy Bike!

Und wie sich ein durchaus renommierter Motorradhersteller zur Lachnummer macht: Das Ducati Kinderrad!

Pugsley oder Mukluk – Big is Beautiful

Es gibt Radler, die behaupten, dass man nicht genug Räder im Schuppen stehen haben kann. Dieser Meinung bin ich nicht. Ich finde durchaus, dass man als Radler mehrere Räder besitzen kann und manchmal auch sollte. Für Geländefahrer bietet sich da zum Beispiel folgende Mischung an: Ein ungefedertes 29er für die Rennstrecken, ein Fully für die etwas anspruchsvolleren Trails, ein historisches Hardtail um stylisch durch Busch und Stadt zu gleiten und dazu ein Singlespeed-Crosser für die Waldautobahnen. Natürlich lasse ich hier den Einwand gelten, dass in dieser Zusammenstellung ein klassischer Crosser fehlt und vielleicht noch ein Snowbike?

Wichtig finde ich, dass die verschiedenen Räder in deinem Schuppen auch unterschiedliche Einsatzbereiche besitzen. Als ich auf der Eurobike das Snowbike Mukluk von Salsa (Foto oben) entdeckte, wurde mir schlagartig klar, dass dieses Bike einen großen Nutzen haben kann. Es fährt nicht nur wunderbar auf Schnee, nein auch am Strand stellt es ein formidables Fortbewegungmittel dar und sieht dabei verdammt gut aus. Ich dachte sofort an die 12 Tage an denen ich im letzten Winter nicht fahren konnte, weil so außergewöhnlich viel Schnee gefallen war. Außerdem an die drei Tage, die ich am Meer verbrachte. Leicht verwirrt, aber auch ein wenig verliebt streichelte ich über die im Airbrush-Stil der 80er Jahre lackierten Rohre des Mukluk und verließ ich den Stand von Salsa. Wenige Schritte später erreichte ich die Ausstellungsfläche von Surly. Angesichts des ausgestellten Surly Pugsley (Foto unten; „It was created to go where other bikes may flounder.“) war ich mir plötzlich sicher: Brauchst ein Snowbike!

Von diesem Moment an war die Eurobike mit all ihren Neuigkeiten und tausenden Rädern nicht mehr interessant. Egal in welcher Halle ich mich gerade befand, egal welchen Stand ich besuchte, ich wollte zurück zu Pugsley und Mukluk. Wahrscheinlich ist nun niemand so recht von meiner Argumentation überzeugt und ich muss zugeben, dass ich es selbst auch nicht bin. Aber ich glaube, dass ein solches Rad in jedem Schuppen seinen Platz finden sollte. Einfach, weil man es braucht, zumindest hin und wieder, zum Beispiel, wenn man in Florida einen Pond durchqueren muss:

Neues aus Konsumien, Teil 1

In sämtlichen Bike-Magazinen wurde der triumphale Durchbruch der Bikes mit den großen Rädern angekündigt. Diesen Durchbruch kann ich hier in Friedrichshafen nicht nachvollziehen. Natürlich haben wieder ein paar Hersteller mehr ein 29er am Stand stehen, letztendlich bleibt dies aber eher die Ausnahme. Ein Vertreter einer kleinen auf 29er spezialiserten Firma verriet mir darüber hinaus, daß der Anteil der 29er in den USA bei etwa 10-15% liegen würde. In den großen deutschen Fahrradmagazinen waren da ganz andere Zahlen zu lesen.
An relativ vielen Ständen ist dagegen der Trend zum Retrobike vertreten.

Fast alle Rennradhersteller haben mindestens ein Stahlrad im entsprechenden Design im Programm. Auch Tourenräder wie das oben abgebildete Schwinn werden werden ganz gerne im alten Gewand präsentiert. Singlespeed ist ein weiteres Stichwort in diese Richtung.

Eingang ist absoluter Trend und steht an vielen Ständen, teilweise auch als Fixie. Wer das alles dann kaufen und vor allem fahren wird, ist mir ein Rätsel.
(Fotos: Messe Friedrichshafen)

Schön ist es in der Bahn zu sein, sagte …

Die ersten paar Stunden der Eurobike sind vorüber, meine Füße bereits recht abgetreten. Doch vielleicht noch einmal ganz von Vorne beginnen?
Gestern ging es mit der Bahn von Aachen nach Friedrichshafen. Dort findet jährlich Anfang September die Eurobike, die größte europäische Fahrradmesse, statt. Und fast Alles ist gut gegangen. In Zukunft, liebe Bahn, möchte ich allerdings von gewissen Fahrgästen verschont bleiben. Zum Beispiel von Wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Der Mitarbeiter sprach viel und laut und verstand es einem ganzen Zugabteil die Welt des Studierens, der Wissenschaft und natürlich seines wahnsinnig faschzinierenden Jobs zu erklären. Die Studentinnen, die mit ihm eine Sitzgruppe teilen mussten, haben mir leid getan, machten aber auch keinen total verzweifelten Eindruck. Alle anderen Fahrgäste übten derweil das Augenverdrehen.
Auch verschont, liebe Bahn, möchte ich in Zukunft von älteren braungebrannten Damen werden, von denen die eine, nachdem beide unter pastelllila Decken Platz genommen hatten, exakt gezählte drei Mal in ebenfalls abteilübergreifender Lautstärke verkündete, dass sie die letzten Wochen in „wärmeren Gefilden“ verbracht hätten. Und?, dachte ich, während meine Augen im Gleichtakt mit meinem Gegenüber eine weitere Runde drehten: Sach einfach, was du uns sagen willst, Schrapnelle! Das ließ sich die Dame dann auch nicht nehmen: Sie waren in Thailand gewesen und wenn mich jemand fragen würde, hätten sie gerne auch dort bleiben können.