Cycling the Frame

Eine Frau radelt mit einem recht gewöhnlichen Fahrrad entlang der Berliner Mauer, damals als sie noch stand. Ihre Kleidung verweist in die Zeit als Punk noch revolutionär war. Eine leicht verwackelte Kamera folgt ihr Tritt für Tritt. Bilder der Mauer vermischen sich mit jenen von grünen Oasen. Die Frau spricht: „… Ich bin Teil eines Fahrrades … .“

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Der Wechsel von Beton (Mauer und Industriebrachen) und Natur (wild wachsende Grünoasen und Vorstadtidyllengärten) wird atmosphärisch von einem industriell geprägtem Sound untermalt. Sie fährt an einem Ausschank vorbei, heute würde man das Kiosk nennen. Seen pflastern ihren Weg. Bienen summen, Schritte auf einer Metalltreppe dröhnen. Sie fährt weiter. Es ist heiß. An der Brücke Kladow nimmt sie die Fähre über den Griebnitzsee. Bilder und Worte fließen ineinander. Plötzlich Wachtürme, Soldaten, eine Abhöranlage, die Grenze verläuft in der Mitte des Flusses. Durch eine idyllische Allee radelt sie weiter. Rasen wird gemäht, der Vorgarten gepflegt. Eine Reiterin kreuzt ihren Weg. Sie fährt. Graffiti am Wegesrand, Musik tönt aus dem Ghettoblaster. „Idioten!“, schreit sie beim Anblick der Mauer.
Sie hat es geschafft, das Brandenburger Tor, ein Mann im Hintergrund, davor sie, die Radfahrerin.

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1988 – Berlin war vom Feind umgebene westliche Oase, belagert von Deutschlands Totalverweigerern. Auch Tilda Swinton zog es nach Berlin. Mit dem Fahrrad radelte sie entlang der Mauer ein Mal rund um die Stadt und wurde dabei von Cynthia Beatt gefilmt. Herausgekommen ist ein entspannendes zeitgeschichtliches Dokument, das durch seine Intensität und seine Einfachheit besticht.

Darsteller: Tilda Swinton
Regie: Cynthia Beatt
Spielzeit: 27 Minuten

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