Archiv für Februar 2011

10 Tage Down Under

Liebe Leute,
dieses mal keine Geschichte sondern einfach ein kurzes Tagebuch der letzten Woche (schnell in die Tasten gehauen unter dem Zeitdruck eines Internetcafes):
Am 17. und 18. waren wir in Sydney unterwegs. Am ersten Tag sind wir mit Jetlag und bei fast 30 Grad mehr so durch die Stadt geirrt. Zunaechst haben wir in einer chinesischen baeckerei in chinatown gefruehstueckt. Sehr schoen war danach der Spaziergang duch den botanischen garten und die Faehrfahrt durch den Hafen nach Manly. Dort haben wir im bayerischen Biergarten gesessen (okay, dass ist nicht besonders einfallsreich) und sind durch Manly an den Pazifik gelaufen. Abends dann wieder chinesisch, dieses Mal Abendessen. Am zweiten tag sydney haben wir ausgiebig das historische Sydney (The Rocks) besichtigt, waren auf der Harbour Bridge und lange im Botanischen Garten. Der ist wirklich ein Juwel. Abends waren wir dann koreanische BBQ essen, am offenen Fenster eines Lokals, lecker und mitten drin in Chinatown.
Am 19. Camper ausgeliehen, ganz schoen feist das Ding: Klimaanlage, Kuehlschrank mit Eisfach, Wasserkocher, Toaster, halt alles was man so im Busch braucht.

An den Linksverkehr musste ich mich erst mal gewoehnen. Tipp: Am besten an jeder Kreuzung zwischen Verkehr beobachten und abbiegen erst mal klar machen: Wo ist in der folgenden Strasse links und dann laut sagen: Nimm die linke Spur! Zum Glueck ist unser Camper weithin als Mietfahrzeug zu erkennen und die Australier nehmen darauf auch grosszuegig Ruecksicht. Wir sind dann bis jervis Bay in einem nationalpark gefahren und haben dort auf einem parkplatz uebernachtet.

Hoerte sich irgendwie an wie im Koelner Zoo, die geraeschkulisse. Am naechsten morgen dann sind wir gewandert. Weiter ging es mit unserem High-Tech-Camper nach Boydtown. Dort landeten wir auf einem Anglercamping, auf dem eigentlich nur Einheimische aus der Umgebung Urlaub machten. Wir trafen dort Rob, Gravedigger und Fuchsjaeger aus der Naehe von Melbourne. Er jagt die Fuechse mit Beaglen, die Felle gehen nach China. Als ich im sagte, dass bei uns der Dackel der typische Fuchsjagdhund sei, wusste er direkt Bescheid: Yes, I know this dog. We call him: two feet long and 1/2 feet high. Es gab dann nudeln mit sosse und einige Kakadus schauten uns zu. Von Boydtown aus fuhren wir in einen weiteren Nationalpark (hier wimmelt es nur so davon) und lagerten zwei Tage lang am Shipwreck Creek.

Am 23. haben wir dann die Kueste verlassen und sind in die Snowy Mountains gefahren. Die sind allerdings zur Zeit wenig Snowy.

Dort haben wir in 1700 meter Hoehe uebernachtet und bei wenigen Grad ueber null das tolle panorama genossen.

Massig motoradfahrer kamen vorbei (am wochenende ist GP in Melbourne) und am besten war einer der ganz in der Manier der australier (we love our country) ausrief: Yeah, thats the top of the world!
Okay, das wars fuer heute! Fotos gibts es dann hoffentlich in der naechsten Woche, konnte noch keine hochladen.

Autoreifen an Australiens Suedkueste

Wandern scheint in Australien recht populär zu sein. Davon zeugen u.a. die zahlreichen gut ausgeschilderten Walks in den Nationalparks. Unseren ersten Walk haben wir im Booderee Nationalpark bestritten.

Der Weg führte durch Eukalyptuswälder zur Jervis Bay. Hin und wieder ueberraschten wir Kängurus, die auf dem Weg saßen. Die schauten uns einigermaßen verwundert an und waren dann auch schnell mit einem Buff … Buff … Buff … im Unterholz verschwunden. Gegen Ende des Weges ging es recht steil bergab und wir gelangten am Ziel des Walks in die Jervis Bay. Sah aus, als wäre Captain Cook gerade erst hier gewesen.
Etwas spektakulärer gestalteten sich unsere Walks am Shipwreck Creek.

Zunächst wanderten wir auf dem Wilderness Coast Walk gen Osten immer am Pazifik entlang. Es ging durch eine Heidelandschaft hoch oben auf den Klippen. Diese war durchsetzt von frisch ausschlagenden Bäumchen, die vom letzten Buschfeuer noch recht angekohlt aussahen. Nina, meine im Urlaub noch bezauberndere Freundin, entdeckte am Rande des Walks einen Autoreifen. Dieser war über einen Meter lang und schaute uns aus schläfrigen Augen an. An dieser Stelle musste ich an D., TÜVtler aus Vaals, denken: „Ihr werdet viele Schlangen sehen … totgefahren auf dem Highway. Ansonsten braucht ihr euch keine Sorgen zu machen“. Danke, lieber D.!

Von diesem Zeitpunkt an bekamen unsere Walks eine ganz neue Qualität: Unsere ganze Aufmerksamkeit galt nun dem Boden und nicht mehr der wunderschönen Landschaft.
Unser nächster Walk fuehrte uns zum Seal Creek. Nach der Erfahrung vom Vortag hatte ich mich erinnert, dass Australien nicht nur Schlangenland ist, sondern auch gut ausgestattet mit Giftspinnen sein soll. Wir wanderten erneut auf dem Wilderness Coast Walk, dieses Mal in Richtung Westen. Die Sonne schien und alles war gut. Plötzlich tauchte vor meinem Gesicht ein Insekt auf, dass ich in sekundenschnelle als Giftspinne in ihrem tödlichen Netz enttarnte. Ich schmiss mich geistesgegenwärtig auf den Boden, um unter dem Netz hindurch zu tauchen und der toedlichen Gefahr zu entgehen. Schon im Fallen wurde mir klar, daß das Insekt doch eher eine fliegende Heuschrecke war. Die nächste halbe Stunde unseres Walks verbrachten wir Tränen lachend.
Ein wenig Verständnis für diese akrobatische Einlage muß ich an dieser Stelle allerdings doch einklagen: Ohne Handy, zirka 20 Kilometer vom nächsten Menschen entfernt, kann man angesichts dieser Gefahr schon mal die Kontrolle verlieren.

Hey Guys! How are you?

In den letzten Tagen habe ich einige Australier getroffen. Dabei bin ich wiederholt doch sehr erstaunt gewesen. Sie sind freundlich, sehr freundlich! Nein, nicht affektiert, sondern einfach nett. Zunaechst waren da die Flugbegleiter, die ich ueber 20 Stunden lang intensiv beobachtete. Sie sprachen gerne, hatten immer ein Laecheln auf den Lippen und unterstrichen jedes Wort mit einem bedeutungsreichen Gesichtsausdruck. „Typisch Flugbegleiter“ dachte ich. Leider hatte ich aber auch keinen Vergleich, war ich doch quasi Flugjungfer.
Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Damals, als ich noch kein Radwanderer war, gewann ich einen Rundflug in einer einmotorigen Cessna ueber Stolberg. Was einmotorig bedeutet, war mir damals noch nicht klar. Trotzdem wollte ich am Tag der Gewinnausschuettung nicht alleine mit dem Piloten in die Maschine steigen. Meine Mutter nahm den Platz neben dem Steuerknueppel ein und ich konnte auf ihrem Schoss mitfliegen. Natuerlich machte ich auf diesem Flug keinerlei Erfahrungen mit Flugbegleitern. Und schon gar nicht mit Australiern.
Also dachte ich mir: „Ganz schoen freundlich, diese Flugbegleiter“. Bereits kurz nach Landung in Sydney musste ich mich allerdings korrigieren: Ganz schoen freundlich diese Australier! Egal, wem man eine Frage stellt, ohne eine weit ausschweifende Antwort und mindestens eine Loesung des Problems lassen sie dich nicht gehen.
Wahrscheinlich nervt das irgendwann, wenn man sich laenger auf dem fuenften Kontinent aufhaelt. Aber nicht nur bei fuer Touristen so typischen Fragen wie: „Mister, can you tell me the way to the next toilet?“ reagieren die Australier (die ich bis jetzt getroffen habe, jedenfalls) aussergewoehnlich freundlich. Selbst beim Eintreten in einen beliebigen Shop heisst es „Hey Guys! How are you?“ Und dann fange ich erst mal an zu erzaehlen …

Cycling the Frame

Eine Frau radelt mit einem recht gewöhnlichen Fahrrad entlang der Berliner Mauer, damals als sie noch stand. Ihre Kleidung verweist in die Zeit als Punk noch revolutionär war. Eine leicht verwackelte Kamera folgt ihr Tritt für Tritt. Bilder der Mauer vermischen sich mit jenen von grünen Oasen. Die Frau spricht: „… Ich bin Teil eines Fahrrades … .“

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Der Wechsel von Beton (Mauer und Industriebrachen) und Natur (wild wachsende Grünoasen und Vorstadtidyllengärten) wird atmosphärisch von einem industriell geprägtem Sound untermalt. Sie fährt an einem Ausschank vorbei, heute würde man das Kiosk nennen. Seen pflastern ihren Weg. Bienen summen, Schritte auf einer Metalltreppe dröhnen. Sie fährt weiter. Es ist heiß. An der Brücke Kladow nimmt sie die Fähre über den Griebnitzsee. Bilder und Worte fließen ineinander. Plötzlich Wachtürme, Soldaten, eine Abhöranlage, die Grenze verläuft in der Mitte des Flusses. Durch eine idyllische Allee radelt sie weiter. Rasen wird gemäht, der Vorgarten gepflegt. Eine Reiterin kreuzt ihren Weg. Sie fährt. Graffiti am Wegesrand, Musik tönt aus dem Ghettoblaster. „Idioten!“, schreit sie beim Anblick der Mauer.
Sie hat es geschafft, das Brandenburger Tor, ein Mann im Hintergrund, davor sie, die Radfahrerin.

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1988 – Berlin war vom Feind umgebene westliche Oase, belagert von Deutschlands Totalverweigerern. Auch Tilda Swinton zog es nach Berlin. Mit dem Fahrrad radelte sie entlang der Mauer ein Mal rund um die Stadt und wurde dabei von Cynthia Beatt gefilmt. Herausgekommen ist ein entspannendes zeitgeschichtliches Dokument, das durch seine Intensität und seine Einfachheit besticht.

Darsteller: Tilda Swinton
Regie: Cynthia Beatt
Spielzeit: 27 Minuten