Archiv für September 2010

Queen – Bicycle Race

I want to ride my bicycle, I want ride it where I like …“, sang Freddy Mercury 1978 in Bicycle Race. Obwohl ich den Song damals noch nicht kannte, hatte ich seine Botschaft längst verstanden: Ich stattete ein altes Klapprad mit BMX-Reifen aus und heizte mit meinen Freunden Roland und Uwe die Teufelsinsel hoch und runter. Die Teufelsinsel war ein ehemaliges Truppenübungsgelände zwischen Stolberg und Eschweiler, welches Ende der 70er als Motorcross-Strecke genutzt wurde. Es bot uns daher beste Bedingungen. In den Pausen zwischen unseren Stunts haben wir dann China-Böller zu Bündeln gefügt und kleinere und größere Sprengungen durchgeführt. Aber das ist jetzt eine ganz andere Geschichte! Sicher ist, daß mich damals weder Song noch Cover dieser Single angesprochen hätten:

Und das änderte sich auch nicht so schnell: Queen, das war opulente Rockmusik mit vielen Spielereien in einer Riesenshow, genau das, was ich dann wenige Jahre später als Punkrocker zu hassen gelernt habe. Vor einiger Zeit dann, an einem schlappen Abend vor dem TV, geriet ich beim Zappen in ein Live-Konzert der Band. Und um es direkt und ganz offen zu sagen: Ich bin bis spät in der Nacht hängen geblieben! Der charismatische Freddy Mercury und seine perfekt aber äußerst fantasievoll performenden Kollegen hatten mich gepackt und nicht mehr los gelassen: Ich begann zu recherchieren und stieß auf das psychedelisch angehauchte Video zum Bicycle Song:

Ich habe dann nicht abgetrieben (Spiegel, Juni 1971) und auch nicht geklaut (Spex, September 2010), aber ich habe mitgesungen (mein Zimmer, September 2010) und mein Rad herbeigeholt, um das legendäre Fahrradklingelsolo (Minute 1:46) nach zu spielen. Bitteschön, jetzt seid ihr dran:

The Godfather of the Drielandenpunt

An einem Freitag im August ist es geschehen! Mir fällt es heute noch schwer euch zu erzählen, wozu ich mich verleiten ließ. Hör auf am Jammern, sagt mir mein Alter Ego und erzähle die ganze Geschichte. Also gut Alter, hier ist sie:
Seit einiger Zeit gehöre ich einer Internet-Community an, der BIG-Challenge. BIG ist das französische Akronym für «Brevet International Grimpeur » und bedeutet, dass von der Community 1000 Bergpässe vorgegeben werden, für deren Überquerung mit dem Rad je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedlich viele Bergfahrerpunkte vergeben werden. Die Pässe verteilen sich über die ganze Welt, befinden sich in Hochgebirgen, aber auch in Südlimburg. Zum Beispiel gehört der Aufstieg zum Drielandenpunt dazu.
In diesem Jahr wird meine Community 25 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum beschloss das Präsidium: Fahre 25 Mal deinen Heimatpass und du wirst lebenslang auf der Internetvisitenkarte des Passes als „Godfather of this BIG“ geführt. Da es einen Unterschied macht, ob man 25 Mal den Tourmalet oder 25 Mal hinauf auf den Drielandenpunt fährt, wurde reglementiert, dass kleinere Pässe 25 Mal an einem Tag gefahren werden müssten. Euch schwant wahrscheinlich, was ich euch hier beichten möchte:
Ja, ich habe es getan. Ich habe nicht abgetrieben (Spiegel, Juni 1971) und auch nicht geklaut (Spex, September 2010), nein, ich bin am 20. August 2010 25 Mal auf den Drielandenpunt hinauf gefahren. Mal von Gemmenich aus, mal von Vaals. Puh, jetzt ist es raus! Und ihr lacht? Ja, ich lache auch und darf mich nun den Godfather of the Drielandenpunt nennen, lebenslang! Ihr dürft das ab jetzt auch!
Die ersten 10 Mal habe ich es mit meinem wunderschönen, ungefederten Niner getan. Ich nahm verschiedene Auf- und Abfahrten, wie das mit dem MTB so möglich ist. Ich dachte mir, bei den ersten 10 Überquerungen muss ich in mir einen Hauch von Abwechslung vorgaukeln, damit der Tag nicht allzu eintönig werden wird.
The Godfather after his first 10 BIGS:

Die zweiten zehn Mal habe ich dann meine heiß geliebte De Rosa genommen. Zehn Mal an denselben Leuten an denselben Tischen oben auf dem Drielandenpunt vorbei zu fahren ist hart, aber möglich.
Your Godfather after his second 10 BIGS:

Wieder Zuhause, Outfit wechseln und vom leckeren Essen meiner bezaubernden Freundin Nina gekostet. Nun war alles ein Kinderspiel. Ich trat an, zu den letzten fünf Überquerungen: In historisches Polyester gekleidet (Pro-Team, Capri Sonne, 1980), auf meinem eleganten Colnago Baujahr 1981 situiert, legte ich die letzten Runden in Gedenken an Laurent Fignon ohne Helm und mit zusammengebundenen Haar zurück.
Our Godfather after his last five BIGs:

Hier gibt es einen weiteren Bericht von der Aktion in bennglisch: www.challenge-big.eu
… und hier den Eintrag zum Godfather: Godfather of the Drielandenpunt

Pugsley oder Mukluk – Big is Beautiful

Es gibt Radler, die behaupten, dass man nicht genug Räder im Schuppen stehen haben kann. Dieser Meinung bin ich nicht. Ich finde durchaus, dass man als Radler mehrere Räder besitzen kann und manchmal auch sollte. Für Geländefahrer bietet sich da zum Beispiel folgende Mischung an: Ein ungefedertes 29er für die Rennstrecken, ein Fully für die etwas anspruchsvolleren Trails, ein historisches Hardtail um stylisch durch Busch und Stadt zu gleiten und dazu ein Singlespeed-Crosser für die Waldautobahnen. Natürlich lasse ich hier den Einwand gelten, dass in dieser Zusammenstellung ein klassischer Crosser fehlt und vielleicht noch ein Snowbike?

Wichtig finde ich, dass die verschiedenen Räder in deinem Schuppen auch unterschiedliche Einsatzbereiche besitzen. Als ich auf der Eurobike das Snowbike Mukluk von Salsa (Foto oben) entdeckte, wurde mir schlagartig klar, dass dieses Bike einen großen Nutzen haben kann. Es fährt nicht nur wunderbar auf Schnee, nein auch am Strand stellt es ein formidables Fortbewegungmittel dar und sieht dabei verdammt gut aus. Ich dachte sofort an die 12 Tage an denen ich im letzten Winter nicht fahren konnte, weil so außergewöhnlich viel Schnee gefallen war. Außerdem an die drei Tage, die ich am Meer verbrachte. Leicht verwirrt, aber auch ein wenig verliebt streichelte ich über die im Airbrush-Stil der 80er Jahre lackierten Rohre des Mukluk und verließ ich den Stand von Salsa. Wenige Schritte später erreichte ich die Ausstellungsfläche von Surly. Angesichts des ausgestellten Surly Pugsley (Foto unten; „It was created to go where other bikes may flounder.“) war ich mir plötzlich sicher: Brauchst ein Snowbike!

Von diesem Moment an war die Eurobike mit all ihren Neuigkeiten und tausenden Rädern nicht mehr interessant. Egal in welcher Halle ich mich gerade befand, egal welchen Stand ich besuchte, ich wollte zurück zu Pugsley und Mukluk. Wahrscheinlich ist nun niemand so recht von meiner Argumentation überzeugt und ich muss zugeben, dass ich es selbst auch nicht bin. Aber ich glaube, dass ein solches Rad in jedem Schuppen seinen Platz finden sollte. Einfach, weil man es braucht, zumindest hin und wieder, zum Beispiel, wenn man in Florida einen Pond durchqueren muss:

Neues aus Konsumien, Teil 1

In sämtlichen Bike-Magazinen wurde der triumphale Durchbruch der Bikes mit den großen Rädern angekündigt. Diesen Durchbruch kann ich hier in Friedrichshafen nicht nachvollziehen. Natürlich haben wieder ein paar Hersteller mehr ein 29er am Stand stehen, letztendlich bleibt dies aber eher die Ausnahme. Ein Vertreter einer kleinen auf 29er spezialiserten Firma verriet mir darüber hinaus, daß der Anteil der 29er in den USA bei etwa 10-15% liegen würde. In den großen deutschen Fahrradmagazinen waren da ganz andere Zahlen zu lesen.
An relativ vielen Ständen ist dagegen der Trend zum Retrobike vertreten.

Fast alle Rennradhersteller haben mindestens ein Stahlrad im entsprechenden Design im Programm. Auch Tourenräder wie das oben abgebildete Schwinn werden werden ganz gerne im alten Gewand präsentiert. Singlespeed ist ein weiteres Stichwort in diese Richtung.

Eingang ist absoluter Trend und steht an vielen Ständen, teilweise auch als Fixie. Wer das alles dann kaufen und vor allem fahren wird, ist mir ein Rätsel.
(Fotos: Messe Friedrichshafen)

Schön ist es in der Bahn zu sein, sagte …

Die ersten paar Stunden der Eurobike sind vorüber, meine Füße bereits recht abgetreten. Doch vielleicht noch einmal ganz von Vorne beginnen?
Gestern ging es mit der Bahn von Aachen nach Friedrichshafen. Dort findet jährlich Anfang September die Eurobike, die größte europäische Fahrradmesse, statt. Und fast Alles ist gut gegangen. In Zukunft, liebe Bahn, möchte ich allerdings von gewissen Fahrgästen verschont bleiben. Zum Beispiel von Wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Der Mitarbeiter sprach viel und laut und verstand es einem ganzen Zugabteil die Welt des Studierens, der Wissenschaft und natürlich seines wahnsinnig faschzinierenden Jobs zu erklären. Die Studentinnen, die mit ihm eine Sitzgruppe teilen mussten, haben mir leid getan, machten aber auch keinen total verzweifelten Eindruck. Alle anderen Fahrgäste übten derweil das Augenverdrehen.
Auch verschont, liebe Bahn, möchte ich in Zukunft von älteren braungebrannten Damen werden, von denen die eine, nachdem beide unter pastelllila Decken Platz genommen hatten, exakt gezählte drei Mal in ebenfalls abteilübergreifender Lautstärke verkündete, dass sie die letzten Wochen in „wärmeren Gefilden“ verbracht hätten. Und?, dachte ich, während meine Augen im Gleichtakt mit meinem Gegenüber eine weitere Runde drehten: Sach einfach, was du uns sagen willst, Schrapnelle! Das ließ sich die Dame dann auch nicht nehmen: Sie waren in Thailand gewesen und wenn mich jemand fragen würde, hätten sie gerne auch dort bleiben können.