Archiv für August 2010

Hände wie Schaufeln – Die Freddy Maertens Story

2008 besuchte ich die Eurobike, eine Fahrradmesse. In einer der Messehallen entdeckte ich den Stand des Museums „Centrum Ronde van Vlaanderen“. Ein paar mutmaßlich aus Belgien stammende ältere Herren warben dort für ihr Museum und die touristische Infrastruktur, die rund um den legendären Frühjahrsklassiker entstanden sind. Außerdem verkauften sie Shirts, deren Design sich an den Trikots legendärer Rennställe orientierte. Einer der älteren Herren bediente mich. Mir gefielen sein markantes Gesicht und die riesigen Hände mit denen er seine Worte schaufelnd untermalte. Wir unterhielten uns über diese Shirts und er erzählte von denen, die auf ihnen zitiert werden. Ich wühlte mich durch Faema, Molteni, Flandria und Solo Superia-Shirts. Als ich mich für ein Solo-Shirt entschieden hatte, ging er im Lager des Messestandes nach der richtigen Größe suchen. Einer seiner Mitstreiter hatte unser Gespräch aufmerksam beobachtet. Er machte einen Schritt auf mich zu: „Kennst du den?“ und zeigte in Richtung des Lagers. Ich verneinte. „Das ist …. !“ Der Name war mir nicht geläufig und ich schüttelte meinen Kopf. „Der“ kam mit triumphierendem Blick und einem Solo-Shirt in meiner Größe über den Arm aus dem Lager zurück. Seinen Namen hatte ich in diesem Moment schon längst wieder vergessen.

Zwei Jahre später fand ich mich in einer Garage in Meerbusch wieder. Der Hausherr hatte zunächst ein gutes Dutzend Räder in die Einfahrt räumen müssen, damit sein Lager überhaupt für mich begehbar wurde. Ich hatte ihn über eine Anzeige bei Kalaydo.de kennengelernt. Ich war auf der Suche nach einem klassischen Stahlrahmen für ein Singlespeed-Bike – er auf der Suche nach Käufern für seine Sammlung an Rennrädern, Rahmen, Schaltungen und sonstigem Zubehör. Schon am Telefon schien er mir äußerst kurzsilbig. Ich erläuterte ihm, dass ich nur auf der Suche nach einem Rahmen war und keine Sammlung kaufen würde. „Kein Problem, einzeln oder alles, Hauptsache weg.“ Ich sagte ihm, dass ich besonders an italienischen Stahlrahmen interessiert sei. „Musst du gucken kommen.“ Habe ich dann gemacht. Nun kramte er vor sich hin stöhnend einige Exemplare in die Einfahrt, um mir Platz zu schaffen. Ich entschuldigte mich für die Arbeit, die ich ihm machen würde. „Kannst sonst ja gar nichts sehen“. Als ich dann etwas sehen konnte entdeckte ich viel Schrott, teilweise verunfallte Rahmen, aber auch einige Schätzchen in unterschiedlichen Rahmengrößen. Bald räkelte ich mich zwischen an der Decke hängenden Stahlrahmen und versuchte einerseits Halt zu bewahren und andererseits Rahmengrößen auszumessen. Da ich ganz gewiss einen 56er Rahmen benötigte, war bald nicht mehr viel Auswahl übrig. „Im Keller habe ich noch mehr.“ Der war genauso gefüllt wie seine Garage und die oben beschriebene Prozedur wiederholte sich. Auch hier war nach einiger Arbeit Platz geschaffen. Ich nahm Maß und schleppte sämtliche in Frage kommende Rahmen in die Garageneinfahrt, um sie mir bei Tageslicht anzusehen. Schnell war klar, dass nur einer es ein konnte – ein Flandria-Rahmen mit großflächigem Freddy Maertens-Label:

Zuhause wurde das schöne Ding aus Stahl erst mal gesäubert und dann im Wohnzimmer aufgestellt. Manche Menschen schauen Fernsehen, andere Stahlrahmen! Freund A. platzte hinein in die andächtige Stille, meine Freundin hatte ihm Einlass gewährt. Er forderte mehr Information. Was ist Flandria und wer zum Teufel dieser Freddy Maertens? Ebenfalls neugierig geworden, hatte ich das Laptop aktiviert und den Namen des rätselhaften Unbekannten in die Suche eingegeben. Die Domain www.freddymaertens.be schien uns Auskunft geben zu können und einen Klick weiter platzte es aus mir heraus: „Den kenn ich! Bei dem habe ich dieses Shirt gekauft!“

Auch wenn die Internetseite nur sein Gesicht zeigte – ich sah Hände wie Schaufeln und diesen begeistert erzählenden alten Mann habe ich sofort wieder erkannt. Beide werde ich wohl nie wieder vergessen!

ICFF – International Cycling Film Festival

Alljährlich im Oktober trifft sich die internationale Szene des Fahrrad-Films auf dem ICFF, um den Stand der Kunst zu demonstrieren und einen Preis – die Goldene Kurbel – abzuräumen. Der im Jahr 2010 zum fünften Mal laufende Wettbewerb hat sich über die Jahre einen festen Platz im Kalender der Fahrradkultur und der Kurzfilmfestivals erarbeitet. Das International Cycling Film Festival ist eines der wenigen Festivals, die sich auf Fahrradfilme konzentrieren. Es zeigt die sozialen, ökologischen und künstlerischen Errungenschaften, die mit dem Fahrrad verbunden sind. Neben dem fahrradkulturellen Aspekt geht es dem internationalen Festival um die Interaktion zwischen Filmemachern und Fahrradfahrern aus verschiedenen Ländern. Seit dem Festival-Debüt im Jahr 2006 wurden dazu etwa 100 Filme aus über 30 Ländern gezeigt.

Neben den Film-Award gibt es auch einen sportlichen Wettstreit: Das Souvenir Stefan Götz wird auch in diesem Jahr als ein Sprintrennen über 800 Meter ausgetragen. Es findet auf der Bochumer Radbahn statt und bildet den sportlichen Abschluss des International Cycling Video Festivals.

Veranstaltungsort: Flottmannhallen – Herne
15. bis 17. Oktober 2010, Internationales Festival des Fahrrad-Films in Herne