Archiv für April 2010

Eine neue Liebe …

ist wie ein neues Leben, sang einst der gute Jürgen Marcus. Ich bin seit Mittwoch in Wien und habe mich bereits am ersten Tag in eine mondäne Wienerin verliebt. Heute werde ich versuchen, sie näher kennenzulernen. Als ich sie fotografierte, zitterte ich vor Aufregung und habe das Foto daher verwackelt:

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Prost 200 auf dem Amstel Gold Race

Heute habe ich mich auf die Strecke des Amstel Gold Race gewagt. Mein Ziel war es, eine Runde von ungefähr 200km zu fahren. Ob das gelingen würde?
Los ging es um neun Uhr im noch recht kühlen Vaals. Fröstelnd rollte ich bis Gulpen, um von dort aus die ausgeschilderte Strecke des Amstel zu entern. Schnell hatte ich einen Partner gefunden: Der unbekannte holländische Radler vom W.K. (Wieler Klub) De Moraal zog mich viele Kilometer schnell pedalierend durchs Rennen. Eine moralisch wie sportlich einwandfreie Leistung. Irgendwann war er weg! Der Parcours war im Übrigen recht voll, voll von Holländern, für die das Amstel das Radrennen schlechthin ist. Sie fuhren mit ortliebtaschen-behängten Trekkingrädern (wegen der Verpflegung), mit Mountainbikes (wegen der Steigungen), mit Fitnessbikes (wegen der Fitness?) und natürlich mit Rennrädern (weil es doch das Amstel ist). Der geilste Styler saß auf einem betagten Gazelle Rennrad. Nicht gepflegt das Bike und auch kein Schmuckstück, dafür schien er selbst sich für diesen Tag schick gemacht zu haben: Sein Grün-Schwarz-Weißer Trainingsanzug (s)eines lokalen Fußballvereins, den Namen habe ich vergessen, flatterte im Fahrtwind. Dazu trug er Laufschuhe, solche die wie Entenfüße geformt sind. Ich hatte den Sam Hawkins des Amstel Gold Race gesehen, wenn ich mich nicht irre!

Die Stimmung war fantastisch: Gerade Morgens saßen nicht wenige Zuschauer am Wegesrand, genossen die Sonne en een Kopje Koffie und feuerten die FahrerInnen an. Taten sie das nicht, feuerten die FahrerInnen sie an. Ständig wurde lauthals (die Holländer sind doch eigentlich ein ähnlich lautes Volk, wie die Engländer, oder?) vor Gefahren wie Pollern oder entgegenkommenden Autos gewarnt oder für die Nachfolgenden auf ein Colletje (Hügelchen) hingewiesen. Schöner Spaß, viel Gebrüll!
Nach einer Runde von Valkenburg über den Flughafen Maastricht/Aachen und Heerlen zurück nach Valkenburg, hatte ich die ersten 100 Kilometer absolviert. Also machte ich mich auf die zweite Runde, die mich in die Gegend um Vaals und Gulpen führen sollte. Leider waren die meisten Fahrer bereits weit vor mir unterwegs, so dass ich fast alleine unterwegs war. So kämpfte ich mich durch das Mergelland und hielt mich meines Eindrucks nach recht tapfer. Hin und wieder überholte ich Fahrer, die ebenfalls der Route folgten. Andere Teilnehmer kamen mir mit einem Gesichtsausdruck entgegen, der schrie: „Ich will zurück nach Valkenburg, zurück zu meinem Auto und auf jeden Fall runter vom Rad!“. Ein kurzes Duell mit einem holländischen Fahrer konnte ich zäh für mich entscheiden. Zunächst meinte er mich bei einer Abfahrt überholen zu müssen. Am nächsten Anstieg zeigte ich ihm, wessen Wohnzimmer das Mergelland ist: Meins!
Allmählich machte sich auch bei mir Erschöpfung breit. Nachdem ich den Loorberg von Slenaken aus hoch in den Vijlener Wald bewältigt hatte, fiel mir auf, dass ich kurz vor den angestrebten 200 Kilometern stand. Ich freute mich bereits auf den Zeitpunkt, an dem der Tacho auf 200 umschalten würde. Genau bei 199,8 Kilometern (isch schwör) stand links der Straße ein Armeejeep. Zwei junge Lümmel saßen auf seiner Motorhaube, lässig mit dem Rücken gegen die Windschutzscheibe gelehnt und prosteten mir mit ihrem Bier zu. Ich erwiderte lauthals „Prost“ und war mir sicher: Die saßen nur für mich dort! Danke!

Ein Herr, der dem Galgen entkam

Luxemburg, April 2010: Nachdem ich am Morgen einige Zeit im Zelt damit verbracht hatte, auf die Sonne zu warten, machte ich mich auf den Weg nach Diekirch. Ein halbes Croissant und zwei Kaffee sollten für den ersten BIG des Tages , den Herrenberg, reichen. Der Herrenberg ist ein bei Rennradfahrern beliebter Anstieg, der zur Großherzog Jean-Kaserne hinauf führt. Ich wählte ich die steilere von zwei Aufstiegsvarianten.

Mein Aufstieg begann direkt an der Umgehungsstraße Diekirchs. Aufgrund des starken Verkehres musste ich allerdings zunächst warten. So stand ich inmitten des Verkehres, um in die Gasse abzubiegen, die mich auf den Herrenberg führen sollte. Schlagartig wurde mir bewusst, dass nur wenige Meter gegenüber auf der anderen Straßenseite ein Martyrium beginnen sollte. Denn die Gasse war nicht nur eng, nein, sie war auch verdammt steil. Schließlich ließ mich im kriechenden Gegenverkehr ein Auto gewähren und ich nahm ein, zwei, drei Kurbelumdrehungen Schwung. Gleichzeitig schaltete ich runter, soweit runter wie möglich war. Der Aufmerksamkeit des Auto fahrenden Publikums sicher, gab ich Gas. Ich habe die Erinnerung, dass es wirklich eindrucksvoll ausgesehen haben muss, wie ich mit meinen voll beladenen Trekkingrad in diese Steigung hinein wuchtete. Schnell fand ich mich in der Einsamkeit eines gnadenlos steilen Berges wieder und japste nach Luft. Ein paar Schafe auf einer Weide rechts des Weges begrüßten mich mit freudigem Blöken. Ich musste erst mal anhalten, ich tat es für meine Gesundheit.

Wieder im Sattel erreichte ich schon nach wenigen Metern Wuchten einen querenden Wirtschaftsweg, in den ich nach links einbiegen sollte. Die letzten Meter vor der Kreuzung mit dem am Hang entlang verlaufenden Weg waren derart steil gestaltet, dass ich erneut absteigen musste. Dieses Mal war es allerdings nicht die fehlende Luft, sondern die Angst mit meinem schweren Gepäck auf dem Gepäckträger nach hinten den Berg hinunter zu kippen.
Im Anschluss fuhr ich für wenige Dutzend Meter am Hang entlang und stieß auf die Straße „Galgebierg“, die von Diekirch hinauf zur Militärbasis auf dem Herrenberg führt. Warum der Herrenberg auch Galgebierg genannt wird wurde mir später erst klar. Auch sie war recht steil, doch hier konnte ich wieder Gas geben. Von hoch oben vernahm ich die Kommandos der Soldaten auf dem Militärgelände. Als ich mich in einer lang geschwungenen Linkskurve befand, erloschen die Soldatenstimmen. Direkt hinter der Kurve sah ich in 20 bis 30 Metern Entfernung wie eine Handvoll Soldaten den Zaun des Militärgeländes überwanden und den Hang zur Straße hinab rutschten. Sie feuerten mich enthusiastisch an, als ich an ihnen vorüber zog.

Am Tor der Kaserne oben auf dem Berg kam ich wieder zu Bewusstsein. Zwei einsame Soldaten, die den Pförtner machten, schauten mich mürrisch an. Hinter mir lag die menschenleere Straße zum Herrenberg. Nichts zu sehen von anfeuernden Soldaten. Dafür stand dort ein Herr, der aussah als sei er gerade dem Galgen entkommen. Er führte ein schwer beladenes Fahrrad mit sich.

Neun Tage lang …

… bin ich durch Ardennen, Hunsrück und Eifel gefahren und wusste, was ich trinken wollte: Tee, heiße Brühe und hin und wieder ein Gipfelbier.

Hier die Fakten:
9 Tage Trekking mit Gepäck; 1017 km; 15.439 Höhenmeter; 27 BIGS; 6 Länder; Regen, Schnee, Hagel aber auch Sonne und Picknick im Freien; 9 Nächte im Zelt; 1 Morgen steif gefroren (also das Zelt)
…und ein Foto:

… und die Geschichten zur Reise erzähle ich in den nächsten Tagen!