Archiv für März 2010

Meine aktuelle Rennradliebe!

Bei einer Fahrt durch Kelmis am Radsport Hennes vorbei schautest du mir aus dem Schaufenster hinaus mit traurigem Blick hinterher. Augenblicklich war es um mich geschehen. Eine Probefahrt später kratzte ich meine Ersparnisse zusammen und verkaufte mein gutes altes Pinarello Stahlgewitter. Seitdem haben wir gemeinsam bereits viel Spaß gehabt, sind auf den Strecken des Amstel Gold Race unterwegs gewesen und werden in 2010 zum dritten Mal auf der Ronde van Vlanderen zu sehen sein. Wenn du mit mir auch noch Lüttich – Bastogne – Lüttich bezwingst, werde ich dich heiraten. Auf dem Foto brauchten wir gerade eine Pause auf dem Weg zum Gipfel des Col Bargagui, dem steilsten auf der Tour je gefahrenen Pyrenäen-Pass. In diesen Momenten bewundere ich deinen schön geformten Körper, erquicke mich an den formvollendeten Komponenten, die dich schmücken, und atme tief durch.

Das De Rosa „Macro“: Liebe auf den ersten Blick!

Frühlingsgefühle in den Ardennen

Seit mehreren Jahren bin ich Teil der B.I.G.-Community. B.I.G.’s sind Pässe, die von der Community in Abstimmung als fahrenswert bestimmt werden. Meist handelt es sich dabei um Pässe, die in irgendwelchen Radrennen eine Rolle spielen. Alle Mitglieder der Community, die bis zu 29 Pässe gefahren sind, zählen zu den Anwärtern auf eine Vollmitgliedschaft. Ab 30 bist du dann dabei! Ich bin seit letztem Jahr mit genau 30 Pässen in der Rangliste vertreten. Heute wollte ich das frühlingshafte Wetter nutzen, um drei weitere Pässe auf mein Guthaben schreiben zu können.

Meine Nase führte mich von Vaals über Kelmis, Limbourg und Jalhay nach Spa. Dort nahm ich den Col du Rosier in Angriff. Ehrlich gesagt war das eine meiner leichteren Übungen. Die Abfahrt vom Col in Richtung Andrimont war allerdings der absolute Hammer: Schlechter Straßenbelag, Split, alpine Serpentinen … und fantastische Ausblicke ins Tal. Was will der Eddy Mercx in mir mehr. Eine Hammerabfahrt führt meist auch recht weit ins Tal hinab, so dass ich im Anschluss gemächlich wieder bergauf bis Franchorchamps treten durfte. Hier war Mittag angesagt und ein Baguette Fromage et Jambon und ein Boule de Berlin gemischt mit einem halben Liter Cola brachten mich wieder auf Tour. Nach einer langen Abfahrt erreichte ich Malmedy und kurz dahinter die Ferme Libert, eine Steigung von wenigen hundert Metern. Allerdings waren hier Steigungsprozente von annähernd 20 % zu meistern. Ich habs geschafft, auch wenn mir zwischendurch das Herz aus dem Rachen zu springen drohte.

Da die Ferme eine Sackgasse ist, stürzte ich mich das Ganze wieder hinunter und bog ab in Richtung Signal de Botrange. Zunächst erreichte ich über eine flüssig zu fahrende Steigung das Plateau des Hohen Venns und gelangte über Ovifal ans Signal, dem dritten B.I.G. des Tages. Eine recht unspektakuläre Anfahrt in recht unangenehmem Autobahnverkehr. Hier genehmigte ich mir im Restaurant ein Bofferdinge und genoss die auf den Fensterbänken ausgestellte Tierwelt der Gegend: Direkt hinter mir lauerte ein Fuchs, schräg gegenüber ein Hermelin flankiert von einer Ratte. Hoch oben über der Theke thronte eine Eule und ein wenig weiter rechts ein stolzer Greifvogel, alles natürlich echt, aber ausgestopft, makaber und eindrucksvoll. Die Bedienung sprach Französisch, die Speisekarte ebenfalls, die Bierkarte war in Deutsch verfasst und aus den Boxen tönte „Marie aus Pari“ von Antenne Ac. Hier lebt Europa!

Die anschließende Abfahrt vom Signal über Baraque Michel nach Eupen war wieder einmal der reinste Genuß. Von Eupen aus ging es dann die übliche Strecke über Raeren, Montzen, Kelmis und natürlich den Drielandenpunt als würdigen Abschluss nach Vaals zurück.

Sportchestra – 101 Songs about Sport (1988)

2010 hatte ich beschlossen, kein Karneval zu feiern! Dafür wollte ich geschmeidig über die freien Tage einige Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Leider machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Vom Schnee in der Wohnung gehalten, feierte ich tatsächlich kein Karneval und beschäftigte mich dafür mit meiner Plattensammlung. Dabei entdeckte ich ein paar (von mir) fast vergessene Kleinode, die mehr als nur Spaß machen. Eins davon ist das sehr liebevoll aufgemachte Doppelalbum „101 Songs about Sport“ aus dem Umfeld von Chumbawamba. Es wurde 1988 unter dem Pseudonym Sportchestra aufgenommen. Beteiligt sind Mitglieder von Chumbawamba und befreundete Musiker, u.a. von den Mekons und Citizen Fish. Wie der Albumtitel schon sagt, enthält es 101 Songs rund um Geschichte, Wahnsinn und Helden des Sports. Die meisten davon sind kurze, rotzig-rauhe Pop-Perlen, die seinesgleichen suchen.

101songs

So kurz wie die Songs des Albums sind auch die dazu gehörigen Texte, teilweise bestehen sie aus nur wenigen Zeilen. Ein besonders Schöner bezieht sich auf die Sportberichterstattung, die wir teilweise erdulden müssen:

If I had the wings of an angel,
the dirty black arse of a cow,
i would fly over the BBC Studios,
and shit on the bastard below!

Gedanken die einem zum Beispiel bei den Radsportreportagen von Eurosport kommen könnten, wenn zwei offensichtlich nicht kompetente Personen das Renngeschehen moderieren, sich dabei ständig widersprechen und in haarsträubende Diskussionen verzetteln. In diesen Momenten hätte ich auch gerne die Flügel eines Engels …

Natürlich ist auch der Radsport Thema auf diesem Album. Im Song No. 35 „Ever heard the one about the pacemaker?“ genau für 25 Sekunden: Jahrelang hat der Pacemaker für andere Fahrer das Tempo gemacht und im Schatten der Sieger gestanden. Eines Tages reicht ihm diese Rolle nicht mehr und er zieht durch – bis ins Ziel und zum Sieg. Das Sportchestra erzählt uns „the one“ in bester Punkmanier.

Song No. 30 handelt vom Mountain Biking, der Freiheit neue Wege zu erradeln und überall dort zu fahren, wo es früher undenkbar war. „Mountain Biking“ wird dominiert von einem Saxofon, das auf dem Rücken liegend in imaginäre Pedale tretend aufgenommen wurde. Der Saxofonist muss einen vertrackten Singletrail gefahren sein.

Und in „Changing gears“, dem Song No. 56, geht es um das Genußradeln, das spacen durch die Landschaft ohne Jagd nach Zeiten, gelben Trikots und Bergankünften: Take it slow, just enjoy the view! Da kann ich nur ganz und gar zustimmen und den Song in bester Rocktradition genießen.

Aber auch der Rest des Albums macht Laune, egal ob es um den ewigen Ersatzbanksitzer geht, (an der Gesetzgebung) gescheiterten Sportlern gedacht wird oder Sportler mit Handicap besungen werden. Natürlich ist Fußball ein weiteres großes Thema des englischen Albums, aber auch der Jagdsport wird thematisiert und sogar ein Song über den Nacktgeländelauf ist dabei.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die gute Mandy Jones eins der Label ziert.

Das Rennen zur Sonne

Das Rennen zur Sonne findet seit 1933 statt und ist auch unter dem Namen Paris – Nizza bekannt. Das einwöchige Etappenrennen wird im März, dieses Jahr ab 7. ausgetragen. Inzwischen findet der Start des Rennens nicht mehr in Paris, sondern im Pariser Vorort Issy-les-Moulineaux statt.

Das Profil des Etappenrennens ist für den frühen Zeitpunkt in der Saison als relativ schwer zu bezeichnen, da mehrere Bergetappen mit Anstiegen der ersten Kategorie auf dem Programm stehen. Eine der letzten Etappen ist üblicherweise ein Berg-Zeitfahren in der Gegend um Nizza. Mit sieben Siegen in Folge in den 1980er Jahren ist der Ire Sean Kelly Rekordsieger von Paris–Nizza.

Die Kneetstory

Gerrie Knetemann (* 6. März 1951 in Amsterdam; † 2. November 2004 in Bergen, Provinz Nordholland) war ein niederländischer Radrennfahrer. Knetemann, auch bekannt unter dem Namen „de Kneet“, galt in den 1970er Jahren als einer der besten Radrennfahrer der Welt. Er konnte über 130 Siege erringen.

Knetemann überraschte bereits als junger Rennfahrer mit Siegen bei kürzeren Zeitfahren. Er war kein Sprinter, blieb aber oft Sieger, wenn er mit einem oder mehreren Fahrern dem Peloton entkommen konnte. Auf diese Art und Weise wurde er 1978 Weltmeister, indem er Francesco Moser überlistete. Im gleichen Jahr gewann er auf ähnliche Manier die letzte Etappe der Tour auf dem Champs Elysee. Knetemann konnte bei mehrtägigen Rundfahrten gut bestehen, für vordere Plätze in der Tour war er allerdings nicht stark genug in den Bergen. Trotzdem wurde er zum erfolgreichsten niederländischen Fahrer auf der Tour. Er gewann 10 Etappen und trug acht mal das gelbe Trikot. Er war der erste Fahrer, der in einem Zeitfahren die Grenze von 50 km/h brach.

Knetemann wurde 1974 bei France Mercier Profi. Typisch für ihn war, dass er im selben Jahr Letzter wurde bei Paris – Robaix und eine Woche später das Amstel Gold Race gewann. 1975 wechselte er zum Raleigh Team, das er bis 1983 maßgeblich prägte.

1983 stürzte Knetemann schwer in Belgien und man fürchtete um sein Leben. Nach einer langen Zeit der Rekonvaleszenz kehrte er zurück in den Peloton und gewann 1985 erneut das Amstel Gold Race.

Knetemann fiel bereits im Peloton durch seinen Humor und besonderen Sprachgebrauch auf. Er führte eigene Wortkreationen ein und hatte immer einen Spruch auf den Lippen. Im Radioprogramm Radio Tour de France hatte er großen Erfolg mit seiner Kneetstory, in der er seine Erlebnisse schilderte.

Knetemann erlitt im Alter von 53 Jahren bei einer Radtour mit Freunden in Bergen einen Herzinfarkt.