Archiv für Februar 2010

Fischmob – Bonanzarad

Ursprünglich wurde „Bonanzarad“ 1994 auf einer Split-Single von Fischmob mit der Punkband NoNotNow! aus Oldenburg veröffentlicht. Darauf coverten sich die beiden Bands gegenseitig, indem Fischmob das Stück „Thunderbird“ in eine Hymne ans Bonanzarad verwandelten und NoNotNow! sich des Fischmob-Titels „Ey, Aller“ annahmen und daraus „Ey Allä“ machten. „Bonanzarad“ erschien später auch auf dem Fischmob-Longplayer „Männer können seine Gefühle nicht zeigen“.

„Cosmic DJ, der schreckliche Sven, Stachy und Koze sind die coolsten Boys auf der ganzen Welt“, so beginnt „Bonanzarad“, auch musikalisch wie aus der Verfilmung eines Kinderliteraturklassikers stammend. Doch danach wird an der Kunstholzschaltkonsole schnell in den dritten Gang geschaltet. Die Gitarre entstammt einem Liederabend bei den Pfadfindern, der Beat ist unauffällig gefällig und der Rap mehrstimmig und einfach gut. Der Refrain wird etwas krautiger gestaltet, was dem Ganzen (fast) den Flair einer Hymne gibt. Textlich geht es um die neue Schaltkonsole aus Sandelholz, den Rückspiegel (für den Wunschzettel) und drei Gänge sowie den Leerlauf. Alles in allem ein Song, der uns lehrt, das Radfahren gerne auch mal in der Art auszuleben, „Damit auch jeder sieht, was fürn geiles Rad ich hab“.

Die Klassiker kommen! II

Doping hin, Doping her, so richtig Spaß macht das Rennradfahren erst auf den Strecken der Klassiker. Mailand – San Remo ist mit seinen 290 km der längste Radsportklassiker und gehört zu den fünf Monumenten des Radsports. Die La Classicissima könnt ihr am 6. Juni in ihrer Jedermannversion fahren, kostet euch 45 Euro Startgeld und 303 harte Kilometer.
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Auch Paris – Robaix, das über 100 Jahre alte Kopfsteinmassaker, zählt zu den fünf Monumenten des Radsports. Das seit 1896 ausgetragene Rennen findet alle zwei Jahre in einer Jedermannversion statt. Dabei können die Jedermänner immerhin neben der Originalstrecke des Profirennens mit 255 km auch abgespeckte Versionen mit 173 bzw. 98 km wählen. Wem die La Classicissima zu harmlos erscheint, der sollte sich am 6. Juni nach Paris aufmachen!
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Andrzej Stasiuk: Die Welt hinter Dukla

Andrzej Stasiuk lebt seit einigen Jahren in einer Holzhütte im Wald von Czarne. Czarne liegt in den Beskiden, im Dreiländereck Polen/Slowakei/Ukraine und besteht aus besagter Holzhütte und einer Köhlerei. Hier wird Kohle für westeuropäische Supermärkte geköhlt und Dukla liegt ganz in der Nähe. Soweit zur Legende.
„Die Welt hinter Dukla“ besitzt keine durchgehende Handlung. Die Erzählung setzt sich wie ein buntes Muster aus Reisen des Erzählers nach, von und durch Dukla zusammen. Dukla ist das Städtchen „in dem sich alle Leere der Welt versammelt“. In dieser Leere lebt ein Völkchen, das in seiner Einfachheit den Leser mal zu Mitleid, dann zur Bewunderung bewegt.
Fast zwanghaft kehrt der Erzähler immer wieder nach Dukla zurück und immer tut er das unter Einfluss eines besonderen Lichts: im „kühlen und durchsichtigen Ton der Luft, der den Blick nicht aufhält“, dem „schwülem, milchigen Gewittergrau“ oder im „Schatten des Morgens, der sich windverschmiert auf den Boden legt“. Bilder, wie aus einer Natur-Dokumentation, Dämmerung, Sonnenaufgang und alle Facetten von Licht, die zwischen diesen Polen möglich sind, beleuchten Stasiuks liebevoll geschilderte Welt in und um Dukla.

Angeregt von dieser Erzählung bin ich nach Dukla geradelt. Schnell hatte ich in meinem alten Freund Wiepke einen Begleiter gefunden. Entdeckt haben wir ein Städtchen im südpolnischen Niemandsland, wo im wahrsten Sinne des Wortes der Hund begraben liegt. Im gleißenden Sonnenlicht eines polnischen Sommertages erreichten wir am frühen Nachmittag den Marktplatz von Dukla.

Ein rechteckiger, typisch polnischer Marktplatz umrundet von historischer Bebauung und garniert mit einigen wenigen parkenden Autos. BIER schrie es laut aus unseren erschöpften Körpern, doch keine der hier ansässigen Wirtschaften hatte geöffnet. Und einen Supermarkt gab es nicht. Ein wenig irritiert (in polnischen Dörfern gibt es zwar manchmal keinen Supermarkt, aber Bier eigentlich überall) drehten wir einige Runden durch die Nebenstraßen des zentralen Platzes. Schließlich landeten wir nach erfolgloser Suche wieder am Marktplatz und ich im einzigen dort geöffneten Laden, einer Bäckerei. Wiepke hielt vor der Türe die Zügel. Bier gab es dort aber auch nicht, dafür eine große Auswahl an süßen Leckereien. Mit sehnsüchtigen Blicken versuchte ich die Aufmerksamkeit der hinter der Ladentheke stehenden, doch offensichtlich für Kundschaft zuständigen Dame zu erwecken. Das gelang mir leider nicht. Ihr Gespräch mit einer Kundin muss ein außerordentlich interessantes gewesen sein.
Das Alles hat mich zunächst fast rasend gemacht, dann wutschnaubend aus dem Laden flüchten lassen und im Nachhinein mit Bewunderung erfüllt. Denn Dukla zeigte sich wie wir es bereits kannten. Aus „Die Welt hinter Dukla“.
„Die Welt hinter Dukla“ habe ich seit dem mehrere Male gelesen, noch öfter angelesen und halte die Erzählung für einen ganz großen Schatz aktueller Literatur.
Andrzej Stasiuk: Die Welt hinter Dukla. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2000, 175 S.

Messen 2010

26. – 28. Februar Fahrrad Essen

27. – 28. Februar Fiets- en Wandelbeurs Amsterdam

28. Februar ADFC Radreise-Messe Hamburg

19. – 21. März Ferienmesse Bike Aktiv Freiburg

21. März ADFC Radreise-Messe Bonn

21. – 23. Mai European Handmade Bicycle Exhibition

1. – 4. September Eurobike Friedrichshafen

22.-24. Oktober Bike Motion Benelux Utrecht

Die Räder der Sieger

„Die Räder der Sieger“ heißt ein neuer Bildband aus dem Covadonga Verlag. Jan Heine und der Fotograf Jean-Pierre Praderes haben für dieses wunderbare Buch Fotografien von Rädern aus 12 Jahrzehnten (Baujahre von 1880 bis 1994) zusammengestellt und kommentiert. Jedes Rad wird in einem eigenen Kapitel in mehreren Bildern bis ins Detail dokumentiert. Zwischen den Bildern lesen wir Geschichten vom jeweiligen Rad, seinem Fahrer, den Rennen in denen es eingesetzt wurde und der Zeit in der es gefahren wurde. Ein Buch, das jeden Liebhaber von Rädern aus dem Stand heraus begeistern wird.

Die Räder der Sieger
von Jan Heine
39,80 €
Hardcover mit Schutzumschlag; 176 Seiten im Format 30 cm x 24 cm
ISBN 978-3-936973-46-4
September 2009